Trainingsraum

Das Trainingsraumprogramm

Um einen störungsfreieren, effektiveren Unterricht in angenehmer Lernatmosphäre zu ermöglichen, arbeiten wir seit November 2004 mit dem Trainingsraumprogramm, dem Programm für eigenverantwortliches Denken und Handeln, in welches derzeit die Jahrgänge 6 – 9 einbezogen sind.

Dieses Programm zur Reduzierung von Unterrichtsstörungen wurde von dem Amerikaner Edward E. Ford entwickelt und basiert auf der Wahrnehmungskontrolltheorie von William T. Powers. Im Wesentlichen geht es darum, dass Schülerinnen und Schüler, die häufig den Unterricht stören, lernen, über die Auswirkungen ihres Verhaltens nachzudenken und ihr Verhalten eigenverantwortlich zu ändern. Diese Erziehung zur Eigenverantwortlichkeit ist neben Wissensvermittlung eine zentrale Aufgabe der Schule.

Damit der Unterricht möglichst reibungslos verläuft, sind Regeln und ein verantwortungsvoller Umgang miteinan-der erforderlich. Vielen Kindern und Jugendlichen fällt es aufgrund mangelnder Sozialkompetenz und fehlendem bzw. noch nicht ausreichend ausgebildetem Reflexionsvermögens zunehmend schwer, wesentliche Regeln des sozialen Miteinanders einzuhalten. Ziel des Trainingsraumprogramms ist es, häufig störenden Schülerinnen und Schülern Hilfen anzubieten, die darauf ausgerichtet sind, dass sie ihr Sozialverhalten verbessern und die notwen-digen sozialen Schlüsselqualifikationen erwerben. Sie sollen lernen, ihre Einstellung zum Unterricht zu verändern, eigene Ziele zu entwickeln und diese aus eigener Einsicht zu verfolgen.

Zur Unterstützung dieses Prozesses haben wir einen separaten Trainingsraum eingerichtet, in dem die Schüle-rinnen und Schüler mit Hilfe von hierzu ausgebildeten Lehrerinnen und Lehrern oder Sozialpädagoginnen eigen-verantwortlich einen Plan zur Veränderung ihres Verhaltens erarbeiten.

Neben der Verbesserung des sozialen Miteinanders ist es gleichzeitig wichtiges Ziel des Programms, lernbereite Schülerinnen und Schüler zu schützen und ihnen eine ungestörte Lernatmosphäre zu bieten.

Das Trainingsraumprogramm basiert auf den folgenden Regeln:

- Jeder muss immer die Rechte des anderen respektieren.

- Jede Schülerin / jeder Schüler hat das Recht ungestört zu lernen.

- Jede Lehrerin / jeder Lehrer hat das Recht ungestört zu unterrichten.

Diese Regeln werden den Klassen vorgestellt und in jedem Klassenzimmer ausgehängt. Wird im Unterricht gegen eine dieser Regeln verstoßen, erfolgen nach einem festen Ablauf die folgenden Maßnahmen:

1. Eine störende Schülerin / ein störender Schüler erhält von der Lehrerin / dem Lehrer eine ausdrückliche Ermahnung.

2. Wenn die Schülerin / der Schüler dieser ausdrücklichen Ermahnung nicht Folge leistet und sich entscheidet weiter zu stören, wird sie / er mit einem Infozettel in den Trainingsraum geschickt.

3. Im Trainingsraum stellt die Schülerin / der Schüler mit Beratung der dort anwesenden Lehrerin / des Lehrers einen Rückkehrplan auf. Die Schülerin / der Schüler soll eigenverantwortlich Ideen entwickeln, wie sie / er in Zukunft störungsfrei am Unterricht teilnehmen kann und notiert diese im Rückkehrplan.

4. Mit diesem Rückkehrplan kehrt die Schülerin / der Schüler in die Klasse zurück.

5. Wenn die Lehrerin / der Lehrer den Rückkehrplan akzeptiert, kann die Schülerin / der Schüler weiter am Unterricht teilnehmen. Der Plan gilt als schriftliche Vereinbarung zwischen Lehrer und Schüler über sein zukünfti-ges Verhalten im Unterricht.

6. Wenn die Lehrerin / der Lehrer den Rückkehrplan nicht akzeptiert, oder wenn die Schülerin / der Schüler weiter den Unterricht stört, wird sie / er wieder in den Trainingsraum geschickt.

7. Bei sechs Entsendungen in den Trainingsraum werden die Eltern über die Trainingsraumbesuche schrift-lich informiert.

8. Bei insgesamt neun Entsendungen in den Trainingsraum erfolgt eine Einladung zum Elterngespräch mit den Trainingsraumlehrerinnen und –lehrern.

9. Nach je drei weiteren Entsendungen in den Trainingsraum werden die Eltern erneut zu einem Gespräch in die Schule eingeladen.

Erst wenn nach mehrmaligem Trainingsraumbesuch keine Verhaltensänderung festzustellen ist, werden die Eltern über die Trainingsraumbesuche informiert und zu einem Beratungsgespräch in die Schule gebeten. Gemeinsam wird dann überlegt, warum die bisherigen Pläne gescheitert sind. Weiter ist angestrebt, dass ein wichtiges Ziel herausgearbeitet wird und dass überlegt wird, wie es erreicht werden kann.

Sollte die Schülerin / der Schüler ihr / sein Verhalten nicht ändern, wird die Schulleitung in die Gespräche mit einbezogen oder es erfolgt eine Klassenkonferenz mit einer Ordnungsmaßnahme nach der Allgemeinen Schulordnung.

Bei den folgenden Vorfällen werden die Eltern sofort eingeschaltet:

- Die Schülerin / der Schüler geht nicht wie angeordnet in den Trainingsraum.

- Die Schülerin / der Schüler muss zum dritten Mal an einem Tag in den Trainingsraum.

- Die Schülerin / der Schüler stört im Trainingsraum weiter.

In diesen Fällen wird das Kind / der Jugendliche direkt zum Schulleiter geschickt. Der Schulleiter bittet die Eltern zu einem sofortigen Gespräch in die Schule oder vereinbart einen unmittelbaren Gesprächstermin.

Die klare Struktur des Ablaufs ist besonders für Schülerinnen und Schüler wichtig, die sich nur schwer an Regeln halten können. Gleichzeitig ermöglichen die Regelungen eine Entspannung der Unterrichtssituation. Diskussionen über Unterrichtsstörungen müssen nicht im Unterricht geführt werden. Die Lehrerin / der Lehrer kann weiter unterrichten. Wenn ein Schüler / eine Schülerin sich ungerecht behandelt fühlt, kann er / sie dies im Rückkehrplan thematisieren.

Mit Unterstützung des Trainingsraumprogramms sollen alle - Schülerinnen und Schüler, Lehrerinnen und Lehrer

- neue Freiräume gewinnen

- lernbereite Schülerinnen und Schüler können ungestörter lernen,

- Lehrerinnen und Lehrer können gelassener unterrichten, - häufig störende Schülerinnen und Schüler erhalten pädagogisch sinnvolle Unterstützung.