Lerninseln der Heinrich-Heine-Gesamtschule: Bonus-Insel und Time-out-Insel

Die Lerninseln als Bausteine der individuellen Förderung an der Heinrich-Heine-Gesamtschule

„Unter individueller Förderung werden alle Handlungen von Lehrerinnen und Lehrern und von Schülerinnen und Schülern verstanden, die mit der Intention erfolgen bzw. die Wirkung haben, das Lernen der einzelnen Schülerin/des einzelnen Schülers unter Berücksichtigung ihrer/seiner spezifischen Lernvoraussetzungen, -bedürfnisse, -wege, -ziele und -möglichkeiten zu unterstützen.” (Kunze, 2008) (vgl. auch Vortrag Prof. Dr. Ingrid Kunze an der Lehrerakademie Bad Wildbad am 3.3.2010)

Die Gesamtschule setzt individuelles Lernen konsequenter um als andere Schulformen, da Schüler und Schülerinnen länger gemeinsam lernen und nicht nach Schulzweigen selektiert werden. Dennoch sind wir immer auf der Suche, neue Herausforderungen zu meistern, neue Wege des Lernens und Förderns zu finden und zu bestreiten, um unsere Schüler und Schülerinnen bestmöglich zu begleiten.

Die Heinrich-Heine-Gesamtschule setzt bereits viele Bausteine zur individuellen Förderung um, beispielsweise durch die konzeptionell festgehaltene Profilierung ab Klasse 5, das besondere Deutschkonzept in den Klassen 5 und 6 sowie unser Mathematik-Elementarkonzept.

Auf der Suche nach Möglichkeiten der individuellen Förderung im Zusammenhang mit dem Gemeinsamen Lernen bieten wir in der Heinrich-Heine-Gesamtschule ab dem Schuljahr 2017/'18 pro Tag zwei Stunden eine besondere Form des individuellen Lernens an.

Auf Grund zahlreicher Untersuchungen von Neurobiologen und Bildungsforschern vertreten wir folgende Auffassungen:

  • Lernen basiert auf Motivation.
  • Lernen ist ein kommunikativer Prozess.
  • Lernen beruht auf Beziehung.
  • Wir können und müssen unseren Schülern und Schülerinnen etwas zutrauen.

Diese Form der Förderung soll den Namen „Lerninsel” tragen.

In zwei Räumen mit zwei unterschiedlichen Arbeitsschwerpunkten sollen Schüler und Schülerinnen die Chance erhalten, eine andere Form des miteinander Lernens auszuprobieren.

Die Schüler und Schülerinnen arbeiten mit einer Lehrkraft gezielt an Defiziten beziehungsweise können Stärken weiterentwickeln. Sie üben selbstständiges Arbeiten, gehen individuelle Aufgaben an und lernen Arbeitsergebnisse und Arbeitshaltungen zu reflektieren, basierend auf einer engen Beziehungsarbeit und der Möglichkeit, in einem kleineren Lernumfeld neue Erfolgserlebnisse zu sammeln und Lernfortschritte zu erfahren.

Die beiden Lerninseln setzen dabei unterschiedliche Schwerpunkte.

Die Bonus-Insel
Die erste Lerninsel, die „Bonus-Insel”, ist für Schüler und Schülerinnen gedacht, die selbstbestimmt und freiwillig diesen Raum aufsuchen möchten. Hier bieten sich den Schülerinnen und Schülern verschiedene Möglichkeiten, um ruhig und konzentriert an ihren jeweiligen individuellen Aufgaben zu arbeiten. Während des Besuches in dieser Lerninsel können individuelle Defizite in verschiedenen Fächern abgebaut, Versäumnisse aufgeholt und persönliche fachliche Stärken weiterentwickelt werden.

Dabei leistet die anwesende Lehrkraft fachliche Unterstützung und stellt gegebenenfalls differenziertes Material zur Verfügung, um eine individuellere Herangehensweise und Blickrichtung auf den Unterrichtsstoff zu ermöglichen. Trotz vorhandenen Materials ist es unabdingbar, dass die Besucher ihre eigenen Unterrichtsmaterialen zu ihrem individuellen Thema (soweit vorhanden) mitbringen.

Dadurch wird für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer die Möglichkeit angeboten, sowohl neue Zugänge zu den jeweiligen Thematiken zu finden, als auch sich dem Unterrichtsstoff über persönliche Neigungen und Interessenslagen zu nähern.

In diesem Baustein des individuellen Lernens bauen wir auf die Selbstständigkeit und Eigenverantwortung der Schüler, um den Weg in Richtung der individuell gesetzten Ziele gemeinsam beschreiten zu können. Mit dieser Lerninsel bietet die Heinrich-Heine-Gesamtschule dafür entsprechend Zeit und Raum.

Die Möglichkeit, die Bonus-Insel zu besuchen, wird in der Tutorenstunde besprochen. Die Klassengemeinschaft wird in die Entscheidungsfindung mit einbezogen, wobei die endgültige Entscheidung durch die Tutoren getroffen wird. In Frage kommen dabei Schülerinnen und Schüler, die durch eine positive Arbeitshaltung und Lernentwicklung aufgefallen sind.

Die entsprechenden Schülerinnen und Schüler erhalten Karten, welche sie in den Lerninselstunden benutzen können, um sich aus dem regulären Unterricht zurückzuziehen und die Lerninsel zu besuchen. Diese Karten sollen als Belohnung verstanden werden. Der Schüler oder die Schülerin entscheidet, zu welchem Thema er oder sie auf der Lerninsel arbeiten möchte.

Darüber hinaus besteht auf der Bonus-Insel die Möglichkeit, neben dem gewählten Lernpensum Entspannungsangebote wahrzunehmen. Zudem könnnen die Lerninhalte mit spielerischen und handlungsorientierten Materialien gesichert und vertieft werden. Der Lehrer oder die Lehrerin kann (falls gewünscht) zu Rate gezogen werden. Die Inhalte des parallelen Regelunterrichtes sind in Eigenverantwortung nachzuarbeiten.

Die Time-out-Insel
Die zweite Lerninsel, die „Time-out-Insel”, soll für Schüler und Schülerinnen mit verpflichtender Teilnahme konzipiert sein. Diese Teilnahme wird durch Vorschläge der Jahrgangsteams und deren Tutoren auf einem von uns erstellten Formular und durch eine anschließende Auswahl und Einteilung des Lehrers oder der Lehrerin der entsprechenden Lerninsel bestimmt. Dabei wird festgehalten, an welchen Wochentagen und über welchen Zeitraum die Schüler und Schülerinnen die Time-out-Insel besuchen sollen.

Individuelle Lösungen sind hierbei immer wieder notwendig, möglich und vorgesehen. Wichtig ist uns die Arbeit in einer Portfoliomappe, die den Schülern und Schülerinnen Orientierung geben und sie anhalten soll, über ihr Lern- und Arbeitsverhalten nachzudenken, Selbsteinschätzungen zu lernen und ihr schulisches Vorankommen und die Formulierung von eigenen Zielen und Wertvorstellungen zu entwickeln und zu dokumentieren.

Das Lerninselmodell wird fortwährend weiterentwickelt und regelmäßig evaluiert.